Frühförderung - was ist das?-Fachbereichsleitung Mag. Gudrun Antonu
Fachbereichsleitung Mag. Gudrun Antonu

Frühförderung - was ist das?

Frühförderung ist die bestmögliche Förderung der Entwicklung des Kindes und Begleitung, Beratung und Unterstützung der Eltern. Die Betreuung findet durch eine ausgebildete Frühförderin in der Familie, d.h. in der gewohnten Umgebung des Kindes, statt.

Anspruch auf Frühförderung haben Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Kinder mit Behinderungen, Kinder, die von Behinderung bedroht sind, Frühgeborene, Kinder mit Sinnesbehinderungen. Die Frühförderung wird für Kinder ab der Geburt bis zum Eintritt in den Kindergarten und für Kinder mit Sinnesbehinderung (Hörfrühförderung,
Sehfrühförderung) bis zum Schuleintritt angeboten.

Die Aufgaben der Frühförderung umfassen
  • die ganzheitliche Förderung des Kindes in den Bereichen Grobmotorik, Feinmotorik, Wahrnehmung und Sprache
  • Begleitung und Unterstützung der Eltern in schwierigen Situationen und alltäglichen Fragen
  • die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit ÄrztInnen und TherapeutInnen
  • Vorbereitung und Unterstützung bei der Auswahl des Kindergartens bzw. der Schule
  • Beratung bei der Wahl von Spielmaterial oder Therapiegeräten.
Durch eine früh einsetzende Förderung können bereits vorliegende, aber auch drohende Entwicklungsprobleme, vermindert werden. Frühförderung kann also auch präventiv wirken. Ihren Ursprung in Österreich findet die Frühförderung in den 1980er Jahren in der Steiermark, wo man zunächst eine Frühförderung sehgeschädigter
Kinder etablierte.

Statistische Daten aus dem Ambulatorium Sonnenschein

Erste Aufzeichnungen liegen aus 1995 vor. Demnach wurden im Jahr 1995 zunächst 9, 1997 bereits 21 Kinder betreut. 1999 wurden 28 Familien und ebenso viele Kinder von zwei Angestellten und fünf Frühförderinnen im Werkvertrag betreut. Im Jahr 2000 wurden 31 Familien mit insgesamt 31 Kindern betreut, 2001 wurden ebenfalls
31 Familien und 34 Kinder betreut. 2007 wurden bereits 54 Kinder, 2008 dann 57 Kinder betreut. Drei Jahre später, im Jahr 2011, betreute das Frühförderteam mit 12 Frühförderinnen (2 Angestellte, 10 Werkvertragskräfte) schon
93 Kinder. Die größte Gruppe waren im Jahr 2011 Frühgeborene sowie Kinder mit einer kombinierten umschriebenen Entwicklungsstörung (F83), gefolgt von Kindern mit einer motorischen Entwicklungsverzögerung (F82). Dasselbe Bild der häufigsten Diagnosen in der Frühförderung zeigte sich auch 2012 und 2013.

Rückblick aus der Praxis

Langjährige Mitarbeiterinnen berichten einstimmig, dass nicht nur die Zahl der betreuten Kinder sprunghaft zugenommen hat, sondern auch die Zahl der betreuten Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Vernachlässigung / Verwahrlosung (sogenannte „Jugendamtskinder“) sowie Kinder bei denen Erziehungshilfe im Vordergrund steht. Auch die Zahl der sozial-ökonomisch schwachen Familien hat aus Sicht der Frühförderung stark zugenommen. Autistische Kinder habe man nicht bis kaum betreut, hingegen waren in den ersten Jahren der Frühförderung im Ambulatorium viele Kinder mit Down Syndrom zu betreuen. Das Frühförderteam kann beobachten, dass die Zahl der betreuten Kinder mit Down Syndrom in den letzten zehn Jahren abgenommen hat. Deutlich ist der Anstieg von Kindern
mit einer Autismus-Spektrum-Störung, Frühgeborene und die damit in Zusammenhang stehenden Mehrlingsgeburten. Die unmittelbar nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beginnende Frühförderung von (extremen) Frühgeborenen, Kindern mit bereits diagnostizierter Behinderung oder belasteten Familien ist nun Dank einer Kooperation mit der Neonatologie St. Pölten seit 2010 möglich.

Das Ärzteteam trifft die Entscheidung, welche Familie über das Angebot der Mobilen Frühförderung und Familienbegleitung informiert und zunächst beraten wird:
  • Eltern, die im Handling mit dem Frühgeborenen sehr unsicher sind
  • Eltern, deren Kind ein extrem niedriges Geburtsgewicht oder eine extreme Unreife aufweist
  • Kinder mit der Diagnose Asphyxie, Hirnblutung, Cerebralparese, own-Syndrom, Stoffwechselerkrankung, Gehirntumor, Herzfehler etc.
  • Kinder, die an cerebralen Anfällen etc. leiden und einige Tage auf der Intensivstation verbringen
  • Eltern, die auf Grund ihres sozialen Hintergrundes von der Jugendwohlfahrt betreut werden und Unterstützung in der Bewältigung der Alltagssituation mit dem Kind benötigen.

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